Projektmanagement Hormonsystem

Hormone sind in aller Munde. Zurecht, denn sie spielen eine bedeutsame Rolle in Bezug auf unser Wohlbefinden und haben die absolute Aufmerksamkeit verdient. In ihrer Funktion als Botenstoffe übertragen sie – organisiert als Systeme und Regelkreise – Informationen im Körper, die wiederum für andere Funktionen benötigt werden und tragen somit maßgeblich zum inneren Körpergleichgewicht bei. Neben anderen Körpersystemen sind Hormone ein weiteres wichtiges Kommunikationsmittel, das entweder kontinuierlich oder bei Bedarf eingesetzt wird. Aber wie kommt es zur Hormonbildung? Woher weiß der Körper, welche Hormone er wann und an welcher Stelle für die innere Balance benötigt?


Die Arbeit des Hormonsystems dient insbesondere der Sicherstellung der inneren Körperbalance und da dieses Gleichgewicht ununterbrochen durch die Umwelt, aber auch die Innenwelt beeinflusst wird, braucht es ein funktionierendes Projektmanagement mit zuverlässigen Mitarbeiter*innen. Dazu gleich mehr.


Man spricht also von einem Hormonsystem. Die Definition eines Systems im biologischen Sinne ist laut Duden die “Gesamtheit von Objekten, die sich in einem ganzheitlichen Zusammenhang befinden und durch die Wechselbeziehungen untereinander gegenüber ihrer Umgebung abzugrenzen sind”.


Von der Umgebung abgrenzen lässt sich das Hormonsystem natürlich nicht, ganz im Gegenteil. So wie unterschiedliche Abteilungen meist Hand in Hand arbeiten müssen, ist auch das Hormonsystem – um seinen Aufgaben nachkommen zu können – auf andere Körpersysteme angewiesen, wie beispielsweise das Nervensystem. In meinem Beitrag Das sind doch nur die Hormone! Wirklich? erfährst du an einem praktischen Beispiel, warum es wichtig ist, diesen Zusammenhang zu verstehen.


Die Lehre, die sich mit dem Hormonsystem beschäftigt, nennt sich Endokrinologie. Im Rahmen der Forschung werden zunehmend Zusammenhänge zwischen den unterschiedlichen Körpersystemen erkannt, sodass die sog. Psychoneuroimmunoendokrinologie immer mehr an Bedeutung gewinnt. Sie beschäftigt sich mit den gesundheitlichen Auswirkungen von Stress, Nervensystem, Hormonen und Immunsystem.


Von oben nach unten – die Hierarchie des Hormonsystems


In Unternehmen sind flache Hierarchien Trend – nicht aber in unserer körpereigenen Hormonfabrik, da gelten ganz klare Regeln. Starten wir also ganz von vorne bzw. oben.


In unserem Gehirn, im Zwischenhirn, sitzt der „Hormon-Präsident“, der Hypothalamus. Er ist Regulationsstelle zwischen Nerven- & Hormonsystem und Hauptzentrale für die Steuerung vegetativer Funktionen wie beispielsweise Kreislauf, Schlaf und Fortpflanzung. Das vegetative Nervensystem unterliegt nicht dem Willen, sondern läuft je nach Situation automatisch ab und bringt sich immer wieder selbst ins Gleichgewicht – z.B. schnelle Atmung bei Stress (Sympathikus), niedrigere Körpertemperatur in Ruhe (Parasympathikus). Im Vergleich dazu unterliegt das willkürliche Nervensystem wie der Name schon sagt dem Willen (z.B. Bewegungsabläufe).



Um seine Aufgaben zu erkennen und u.a. den sich selbst regulierenden Hormonsystemkreislauf zu “aktivieren” kann der Hypothalamus Informationen über folgende Kanäle erhalten:


  1. Sinneseindrücke der Körperaußenwelt (Riechen, Schmecken, Sehen, Hören, Lage, Bewegung, Gleichgewicht)

  2. Informationen aus anderen Hirnstrukturen, z.B. aus dem limbischen System (= verschiedene funktional zusammenhängende Hirnstrukturen, in welchen u.a. Emotionen verarbeitet werden und Triebverhalten entsteht)

  3. Rezeptoren der Körperinnenwelt (z.B. Blutdruck, Temperatur, Hormonspiegel)

Im Hinblick auf das Hormonsystem, setzt der Hypothalamus nun entweder sog. Releasing– (engl. freisetzen) oder aber Inhibiting– (engl. hemmen) Hormone frei, die nun von der Hypophyse den nächsten Arbeitsschritt verlangen (entweder Hormone freisetzen oder die Hormonausgabe stoppen).



Die Hypophyse bildet nun, je nach Arbeitsauftrag entweder glandotrope Hormone (FSH, LH, TSH, ACTH,), die Einfluss auf eine bestimmte Hormondrüse haben (gland = engl. Drüse) oder Effektorhormone (MSH, STH, Prolaktin), die direkt auf ein Zielgewebe einwirken. Hormone wirken an der Zielzelle gemäß dem Schlüssel-Schloss-Prinzip: Ein Hormon passt genau auf den vorgesehenen Rezeptor an der Zelle.

Wir schauen uns nun noch die klassischen endokrinen Hormondrüsen an. Vorab sei noch gesagt, dass es Hormondrüsen gibt, die mehr oder weniger unabhängig von der dargestellten Hierarchie, also als Freiberufler arbeiten, so z.B. die Bauchspeicheldrüse (Insulin, Glukagon) oder die Nebenschilddrüsen (Parathormon). Letztere wird aber zu den klassischen endokrinen Drüsen gezählt.


Drüsen des Hormonsystems


Hormone können auf drei unterschiedliche Weisen eingeteilt werden: nach Bildungsstätte, nach chemischem Aufbau und nach dem Wirkprinzip.


Bildungsort sind z.B. spezielle sog. endokrine Drüsen oder aber auch anderes Körpergewebe. An dieser Stelle zähle ich dir die klassischen Hormondrüsen auf, die dem Hypothalamus und der Hypoph.yse nachgeschaltet sind und ihre Hormone direkt in das Blut abgeben, damit sie zu den Zielzellen geleitet werden können.


  1. Epiphyse (Zirbeldrüse im Gehirn, Funktion: “innere Uhr”, Hormon: Melatonin)

  2. Schilddrüse (Funktion: Steuerung Gesamtstoffwechsel, Knochenstoffwechsel, Hormone: T3, T4, Calcitonin)

  3. Nebennieren – Rinde & Mark (Funktion: Stoffwechsel, Immunsystem, Stressregulation, Salz- & Wasserhaushalt, Sexualhormone, Hormone: Cortisol, Aldosteron, Androgene, Noradrenalin, Adreanalin, Dopamin)

  4. Bauchspeicheldrüse (Funktion: Verdauung, Blutzuckerregulation, Hormone: Insulin, Glukagon)

  5. Hoden/Eierstöcke (Funktion: Fortpflanzung, Hormone: Testosteron, Östradiol, Progesteron)

Auch in anderen Geweben werden Hormone produziert.