Kannst du dein Mindset einfach so ändern?

Bestimmt hast du einen der folgenden Sätze schon einmal gehört: Es ist alles eine Frage des richtigen Mindsets! Wenn du erfolgreich sein willst, brauchst du nur das richtige Mindset! Erweitere dein Mindset! Aber was ist damit gemeint? Was bedeutet Mindset und kann/muss man es ändern?


Mindset klingt erst einmal nach einem abgestumpften Trendwort. In dem Begriff steckt aber viel Potential und wer an seinem Mindset etwas verändern möchte, kann an seinen festgefahrenen Denkstrukturen arbeiten und versuchen, beteiligte Glaubenssätze aufzulösen.


Alles nur Einstellungssache?


Mindset heißt übersetzt die Denkweise, also die Art und Weise, wie ein Mensch denkt. Das Wort Mentalität wird häufig synonym verwendet. Die Denkweise einer Person spiegelt sich in verschiedenen Haltungen oder Einstellungen gegenüber Themen oder Situationen wider und ist meist das Ergebnis von Erlebnissen und Erfahrungen.


Wirst du zum Beispiel gefragt, wie deine Einstellung zu Hunden ist, hängt das u.a. stark von deinen bisher mit den Vierbeinern gemachten Erfahrungen ab. Du wirst zwar ganz objektiv nach deiner Meinung gefragt, bevor du diese aber äußern kannst, muss sie deinen inneren Mindset-Filter durchlaufen. Hast du schon als Kind schlechte Erfahrungen mit Hunden gemacht, reagierst du auf diese Frage wahrscheinlich ganz anders als jemand, der glücklich mit Hunden aufgewachsen ist. Dein Gehirn speichert diese Informationen fest ab, v.a. wenn sie noch mit Schmerzen oder starken Glücksgefühlen verbunden sind, dein Körper also eine Empfindung wahrnehmen konnte.


Du musst aber nicht unbedingt eine spezielle eigene Erfahrung mit Hunden gemacht haben. Vielleicht haben dir sehr nahestehende Menschen schon immer gesagt, dass Hunde gefährlich sind – und das bei jeder sich dafür bietenden Gelegenheit. Auch diese Information speichert dein Gehirn ab, so als ob du dich selbst in der gefährlichen Situation befunden hättest. Je früher und öfter diese Informationen im Gehirn abgespeichert werden, desto mehr sind sie dort verankert und desto schneller kannst du deine Einstellung zukünftig auch wahrnehmen und kommunizieren. Das ist wichtig, denn dein Körper ist darum bemüht, Gefahrensituationen schnell zu erkennen, um schnell zu reagieren.


Bei der reinen Frage nach deiner Einstellung zu Hunden ergreifst du natürlich nicht direkt die Flucht, aber du wirst eventuell ziemlich schnell deutlich machen, dass Hunde nichts für dich sind, um die Gefahrensituation in weiser Voraussicht abzuwehren.


Ähnlich verhält es sich in Situationen, in denen es darum geht, wie du eine berufliche oder private Herausforderung meisterst. Bekommst du ein neues Projekt auf den Tisch gelegt, das komplett in Englisch abgewickelt werden muss, “was du noch nie gut konntest”, ist der ausbleibende Erfolg des Projektes eventuell schon vorprogrammiert. Auch hier: entweder du hast schon einmal die Erfahrung in einem ähnlichen Projekt gemacht und damals ist das Projekt an der missverständlichen Kommunikation gescheitert oder aber z.B. deine Lehrer haben dich in der Schule immer wieder spüren lassen, dass du in Englisch wohl nie der absolute Pro sein wirst und das hat sich dein Gehirn gemerkt. So konntest du eventuell nie dein Talent für die englische Sprache entwickeln, da es ja sowieso aussichtslos erschien.

Welche Arten von Mindset gibt es?

Jetzt ist es eventuell so, dass du wirklich nicht gut Englisch sprechen kannst und aufgrund der damit verbundenen negativen Gefühle nie wieder versucht hast, es aufzubessern. Aber heißt das auch automatisch, dass das neue Projekt mit dir als verantwortliche Person zum Scheitern verurteilt ist?

Aus psychologischer Sicht wurde der Begriff Mindset durch die bekannte amerikanische Psychologin Carol Dweck geprägt, indem sie zwei verschiedene Typen definiert hat. Vom Mindset-Typ hängt laut Dweck stark der Erfolg oder Misserfolg einer bestimmten Herausforderung ab, vor die ein Mensch gestellt wird. Sie teilt die Typen ein in:

  1. Fixed Mindset = festgefahrenes Mindset

  2. Growth Mindset = flexibles Mindset

Bist du sehr starr in deiner Denkweise und lässt keinen Blick außerhalb deiner Scheuklappen zu, zählst du zum Fixed-Mindset-Typ. Bleiben wir bei dem Englisch-Beispiel: du lässt dich nicht von deiner Überzeugung abbringen, dass du nicht intelligent genug bist, um die Englische Sprache zu erlernen. Die Niederlagen der Vergangenheit hängen dir nach und lassen keine Weiterentwicklung zu. Diese Haltung führt dazu, dass du das Projekt nicht annehmen möchtest und dir damit die Möglichkeit auf eine neue Chance im Unternehmen verwehrst.


Bist du nun eher flexibel in deiner Denkweise, lässt du dir Lösungen einfallen. Liegt das Projekt bspw. noch etwas in der Zukunft, denkst du darüber nach, einen Englisch-Crash-Kurs zu belegen und dem ganzen eine neue Chance zu geben. Dein damaliger Fehler in einem ähnlichen Projekt spornt dich eher noch an, es diesmal besser zu machen.

Fixed & Growth Mindest Typen in Anlehnung an Carol Dweck

Die Mischung macht’s


Natürlich gibt es Menschen, die in allen Situationen eher die negativen Aspekte sehen. Allerdings haben die meisten Menschen ein Mixed Mindset und reagieren auf unterschiedliche Situationen mit verschiedenen Denkmustern. Manchmal sind Menschen auch beruflich sehr flexibel eingestellt, bei privaten Belangen aber sehr festgefahren oder andersrum. Da das Leben aus so vielen unterschiedlichen Erfahrungen und Erlebnissen besteht, ist es schwer, eine Person genau einem Typ zuzuordnen.


Eine solche Einteilung hilft aber dabei, für dich selbst festzustellen, in welchen Bereichen du vielleicht sehr festgefahren bist und ob dich das in deiner persönlichen oder beruflichen Weiterentwicklung hindert. Bist du in der Lage, dies zu erkennen, kannst du versuchen, dich umzuprogrammieren.


Kann ich meinen Gehirnspeicher zurücksetzen?


Das Thema Mindset ist eng mit sog. Glaubenssätzen verbunden. Denn Glaubenssätze sind letztendlich das Ergebnis und die Entscheidungsgrundlage deines Mindset-Filters. Die Beispiele in diesem Beitrag sind sehr vereinfacht dargestellt, oft handelt es sich bei unseren Denkmustern um sehr komplexe Verstrickungen. Die Verhaltensweisen des Fixed-Mindset-Typen sind oft mit innerem Stress verbunden, denn Selbstzweifel übernehmen hier häufig die Kontrolle.


Der Wunsch nach einer Veränderung des Mindsets entsteht entweder aus eigenem Antrieb oder auf Anraten anderer. Vielleicht merkst du, dass du dich im Job nie weiterentwickelst und hinterfragst dich irgendwann selbst. Oder dein Chef sagt dir: wenn du die höhere Position erreichen willst, musst du an deinem Mindset arbeiten. Wenn du das auch so siehst und erkennen kannst, woher deine eingefahrene Denkweise rührt, ist das eine tolle Chance, dich neuen Herausforderungen zu stellen und deine Muster aufzulösen und neu zu stricken. Im Bestfall leitet dich jedoch dein innerer Antrieb im für dich richtigen Moment. Niemand sieht das Leben durch deine Brille. Eine solche Persönlichkeitsarbeit kann einige vergangene Erfahrungen und Erlebnisse ins Gedächtnis rufen, die je nach persönlichem Belastungsgrad in professioneller therapeutischer Umgebung oder in einem passenden Coaching betrachtet und bearbeitet werden sollten.


Die eine Erkenntnis ist also: du kannst deine im Gehirn gespeicherten Daten ggf. neu programmieren.

Die andere Erkenntnis: das ist nicht immer so einfach und erfordert persönlichen Einsatz, Geduld und Verständnis für dich selbst und andere. Einmal festgefahrene Denkmuster lassen sich nicht einfach so aushebeln. Und du darfst nicht vergessen, dass dein Gehirn diese Muster als Schutz erschaffen hat, um dich vor Gefahren zu bewahren.


Für eine außenstehende Person mag es komisch erscheinen, dass du mit einer bestimmten Situation überfordert bist und verweist dich auf dein falsches Mindset. Aber diese Person hat eben ganz andere Erfahrungen gemacht und statt deinem gelben Mindset-Filter vielleicht einen roten.